Das Bauamt Rosenheim hat bereits im April 2008 die Umsetzbarkeit der Westumfahrungsvarianten wegen der Umweltschutzauflagen in Zweifel gezogen und diese Zweifel bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie im Januar 2009 verstärt vorgetragen!
Streckenverlauf
Variante 1 (V1):
Diese
Variante knüpft höhenfrei an der B304 westlich Reitgesing an,
durchfährt
den Forst ca. 5 km nach Norden bis zum Forsthaus St.
Hubertus. Dort mündet nachgeordnet die Verbindungsspange von der bestehenden St2080
(Kreisel nördlich der Autostadt) in Variante ein. Die Variante folgt dann dem
Verlauf des geschotterten Waldweges nach AnzingRichtung Nordwesten und schwenkt westlich Obelfing
nach Norden um Anzing zu umgehen. Sie endet an der St 2081 nahe der Autobahn-Anschlussstelle
Anzing an der A94 an einem Kreisverkehr.
Streckenverlauf Variante 2 (V2):
Diese Variante schwenkt danach nach Osten, der Waldweg
von Ebersberg nach Anzing würde über diese Variante geführt und erreicht die
bestehende St2080 ca. 700m nördlich
des Kreisels beim ALDI-Auslieferungslager. Die hohe Verkehrsbelastung der Verknüpfung
macht dort einen (weiteren) Kreisverkehr.

Länge und
Kosten:
V 1: über 15
km lang, davon über zwei Drittel im Wald. Die Gesamtkosten beliefen sich laut
der Machbarkeitsstudie des Rosenheimer Bauamts auf 31,7 Mio €.
Die Entlastungswirkung der Westumfahrungen für das Stadtzentrum von Ebersberg wäre so gering wie bei keiner der anderen Varianten. Dies hat zwei entscheidende Gründe:
1. die Hauptverkehrsströme nach
Norden kommen nach Fertigstellung der Südumgehung von Osten und Süden. Vor
allem für die Autofahrer von und nach Osten (Wasserburg) würden die
möglichen Westumfahrungen erhebliche Umwege mit sich bringen, denn um sie
zu erreichen müssten die Autofahrer erst 6 Kilometer um Ebersberg auf der
Südumgehung herumfahren. Da aber ein Rückanschluss der Westumfahrung (V1)
zum Ebersberger Gewerbegebiet geschaffen werden müsste (und bei V2 sowieso
gegeben ist), ist klar, was passiert: die Autofahrer/innen aus Osten und
Westen kürzen durch Ebersberg ab.
2. da die Westumfahrungen sehr
weit vom Ort entfernt (3 km) bei Reitgesing ansetzen würden, würde sie
keinerlei „Ebersberger Verkehr“, sprich: Binnen, Quell- und Zielverkehr
aufnehmen

Verkehrswirksamkeit
insgesamt:
Der Flächenverbrauch der beiden Westumfahrungsvarianten wäre enorm. Die Westumfahrung V1 würde über 120.000 m² Boden versiegeln, was einer Fläche von über 20 Fußballfeldern entspricht. Beiden Varianten fielen tausende von Bäumen zum Opfer.
Beide Varianten durchschnitten den Ebersberger Forst in Bereichen in denen er naturrechtlich mehrfach Geschütz ist:
V1 durchschnitt:
- auf 13 km Länge so genannten Bannwald,
- auf 10 km Länge Landschaftsschutzgebiet und
- auf 3,5 km FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat: höchster EU-Naturschutz, in diese Gebiete darf nach § 34 BNatSchG nur eingegriffen werden, wenn keine zumutbaren Projekt- und Standortalternativen gibt)
V2 durchschnitt:
- auf 3,5 km Länge so genannten Bannwald,
- auf 6 km Länge Landschaftsschutzgebiet und
- auf 2,2 km
FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat: höchster EU-Naturschutz, in diese
Gebiete darf nach § 34 BNatSchG nur eingegriffen werden, wenn keine
zumutbaren Projekt- und Standortalternativen gibt)
Gefährdung
von Gewässern/Trinkwasser:
Der
Ebersberger Forst ist das Rückrat – nicht nur der landkreisweiten – Trinkwasserversorgung.
Jeglicher Eingriff vor allem in die Wasserschutzgebiete sollte nach Möglichkeit
unterbleiben.
Lärmemissionen:
Die
Abnahme des Verkehrslärms in der Innenstadt fiele bei den
Westumfahrungsvarianten gering aus, da Lärm nicht proportional zum
Verkehrsrückgang abnimmt. Bei dem von Prof. Harald Kurzak
prognostizierten Rückgang des Verkehrs in der Stadt
ergäbe sich rechnerisch bei keinem Straßenabschnitt
eine Lärmreduktion
von mehr als 1,5 dB(A). Das menschliche
Gehör nimmt aber erst ab ca. 3 dB (A) Schalländerungen war.
Demgegenüber
würde Kilometerlang – heute absolut ruhiger Wald – neu verlärmt werden.
Abgase
(lokal und global):
In der
Innenstadt würden die Autoabgase leicht abnehmen. Auf der Westumfahrung werden
die Autoabgase von einem Quasi-Null-Wert stark ansteigen. Insgesamt werden im
Raum Ebersberg nach dem Bau der Westumfahrung eher mehr Autoabgase ausgestoßen
wie vor deren Bau. Die Abnahme der Emissionen in der Stadt, dank des leicht
reduzierten Stopp-and-go-Verkehrs wird durch die höheren Geschwindigkeiten
auf der Westumfahrung und die Umwege mehr als ausgeglichen.
Energieverbrauch:
Neben den
zusätzlichen Winterdienstfahrten würde sich die enormen Umwege negativ auf die
Energiebilanz auswirken, und zwar umso mehr je mehr man die Autofahrer/-innen
dazu zwingt, diese Strecke zu benutzen.
Verwirklichungszeitraum:
Das Bauamt Rosenheim hat bereits im April 2008 die Umsetzbarkeit der
Westumfahrungsvarianten wegen der Umweltschutzauflagen in Zweifel gezogen und
diese Zweifel bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie im Januar 2009
verstärkt vorgetragen.
Vorschläge die Trasse in überdeckelten Tieflagen
zur Schonung des FFH-Gebietes zu führen wurden vom Bauamt Rosenheim nicht
berücksichtigt, da dies an den grundsätzlichen Einschränkungen im FFH-Gebiet
nichts ändert, jedoch die Kosten extrem in die Höhe treiben würde.